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Predigt zum Totensonntag 2000 über Jesaja 65,17-25

Sehnsucht nach der heilen Welt

Bevor ich den Predigttext das erste Mal durchlas, war ich darauf eingestellt, daß heute viele gebeugte, traurige Mitchrtisten im Gottesdienst sein werden – und so ist es auch. Da bin ich gleich erstmal über den Vers gestolpert, in dem es heißt: „Freut Euch und seid fröhlich ! „  – im Angesicht des Todes, in der bitteren Erinnerung an das Sterben lieber Menschen, die wir vermissen ? Was für eine Zumutung! eine Frechheit?

Aber, der Satz geht weiter – und das ist die Lösung! „Freut Euch an dem, was ich schaffe! spricht Gott. An der neuen Welt, an der neuen Schöpfung, die auf Euch wartet, an der herrlichen Zukunft, die die Kinder Gottes vor sich haben, daran sollt Ihr Euch freuen!

Das Sterben der Christen ist kein Schlußpunkt, sondern ein Doppelpunkt. Und was hinter diesem Doppelpunkt kommt, das ist dermaßen schön, daß man sich daran freuen und fröhlich sein kann.

Paulus, dem der Durchblick in diese Zukunft von Gott eröffnet wurde, sagt: Was uns da erwartet, das ist viel besser als weiter hier bei Euch zu bleiben. Was dann kommt ist soviel schöner als alles, was wir hier erleben können – ich habe Lust abzuscheiden und bei Jesus zu sein. „Freut Euch und seid fröhlich sagt Gott – über das, was ich schaffe!“

Bevor wir uns den Einzelheiten zuwenden, dem, was die verstorbenen Christen bei Jesus erwartet, gilt es, sich einer Schwierigkeit zu stellen, die uns dieser Predigttext ganz massiv aufgibt:

Er beschreibt die Zukunft der Christen als eine geheilte, von Gott wiederhergestellte Welt. Im Predigttext wird die kommende Welt die Erlösung als eine Wirklichkeit beschreiben, die sich hier in dieser Welt ereignet: Kinder werden geboren, Weinberge werden gepflanzt, Menschen werden alt und sterben, die Stadt Jerusalem wird friedlich sein, Raubtiere und Pflanzenfresser leben in Frieden miteinander.  Erlösung bedeutet hier: unsere verwandelte, geheilte Welt.

Daneben gibt es eine andere biblische Überlieferung, in der Gott die neue Welt in ganz anderen Begriffen  beschreibt,  in denen die irdischen Verhältnisse dieser Welt gar keine Rolle mehr spielen. Es geht da um eine ganz andere, völlig neue Welt, um die Ewigkeit, in der es keinen Tod mehr geben wird: „Der Tod wird nicht mehr sein“ heißt es im vorletzten Kapitel der Offenbarung. Es gibt auch keine Arbeit, keine Mühe mehr. Wir schauen in eine Wirklichkeit, in der es keine Rolle mehr spielt ob ich verheiratet war oder ledig oder was auch sonst. Dies alles spielt keine Rolle mehr. Das Alte, die irdische Wirklichkeit ist ganz und gar vergangen. Es gibt keinen Hunger und Durst mehr und Gott wird seinen Kindern unmittelbar, handgreiflich nahe sein, ja er wird alles in allen sein.

Wie paßt das zusammen: Die ewige Herrlichkeit , die völlige Neuschöpfung  -  und die erneuerte, geheilte wiedergebrachte Erde?

Die Offenbarung Gottes im letzten Buch der Bibel gibt hier eine eindeutige Antwort: (Offenbarung 19ff).   Wenn Christus kommt, als der Herr der Welt, dann bricht ein 1000 jähriges Reich an. Die toten Christen werden leiblich  auferweckt und diese kaputte Welt wird durch ihren Schöpfer vom Fluch des Bösen befreit! Das ist die erneuerte, geheilte Welt, die auch unser Predigttext beschreibt. Dann – nach dem 1000 jährigen Reich - bricht eine neue Epoche an: Himmel und Erde vergehen, wie es Christus und die Apostel vorausgesagt haben. Dann bricht Gottes ewige Herrlichkeit an, das ewige Leben mit Gott, der spricht: Siehe ich mache alles neu!

Unser Predigttext redet nicht vom Ende, nicht von der ewigen Herrlichkeit, sondern er redet von der Zeit vor dem Ende der Welt. Er redet vom 1000 jährigen Reich Christi.

   Jesus lehrt uns zu beten: „Dein Reich komme“  - Wir bitten, daß Gott seine befreiende und erlösende Herrschaft in unserer kaputten Welt durchsetzt. Wir beten, daß Er sein Reich sichtbar erfüllt. Dann werden wir uns noch einmal in einem paradiesischen  Sinn, in kindlicher Einfalt und Reinheit an den wunderbaren Gaben dieser Welt freuen: An Essen und Trinken, an Lachen und Freuen, an Sexualität und Liebe, an sinnvoller Arbeit und einer friedlichen Natur – eine Menschheitssehnsucht wird durch Christus erfüllt: die heile, wiedergebrachte Erde.

    Selbst die Tiere freuen sich darauf: Römer 8 „Das ängstliche Seufzen der Kreatur sehnt sich danach, daß die Herrlichkeit der Kinder Gottes offenbar wird.“

Wir freuen uns alle aber nicht nur auf das 1000 jährige Reich – Wir freuen uns auch auf die Ewigkeit, auf die unmittelbare Nähe zu Gott. Nur können wir wenig darüber sagen, weil hier die Bilder unserer Welt versagen. Wir wissen nur, daß Gott uns mit sich herrlich machen wird.

Die Lehre vom 1000 jährigen Reich, von der verwandelten Erde wurde oft mißbraucht: Von Thomas Müntzer mit dem Anspruch, daß er und seine mordenden und raubenden Bauern diejenigen seien, die das 1000 jährige Reich aufrichten. Und auch heute gibt es linke Revolutionstheologien, die z.B. den Ökumenischen Rat der Kirchen dominieren  – nach denen die Unterdrückten - notfalls mit der Maschinenpistole in der Hand – das Reich Gottes herbei zwingen sollen.  Das vollendete Reich Gottes wird so zu einem mit menschlichen Mitteln erreichbaren Ziel.

Als Martin Luther solchen Mißbrauch erlebt hat, hat er die Lehre vom 1000 jährigen Reich, die Hoffnung auf eine erlöste Erde ganz aus der evangelischen Theologie verbannt. Da hat er das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und diese großartige Hoffnung, die uns das Wort Gottes im heutigen Predigttext schenkt, völlig ausgeblendet. Dieser Teil der christlichen  Zukunftserwartung blieb nun ungeschützt den Zeugen Jehovas überlassen, die sie mißbrauchen, um Menschen an sich selbst, statt an Christus zu binden. Was blieb ist allein die Erwartung des Weltendes und der ewigen Herrlichkeit – sehr weit weg, sehr unkonkret und völlig jenseitig.

Wir müssen sie wiedergewinnen, die Hoffnung auf das kommende Reich Christi, auf die zeitliche, erlöste Welt. Gott gibt seine Schöpfung nicht einfach auf. Er ist es seiner Ehre schuldig und denen, denen diese Welt entgangen ist, daß er sie nicht einfach zu Grunde gehen läßt. Der Satan und die Menschen werden nicht den finsteren Triumph haben, diese Erde völlig zerstört zu haben. Gott wird seine Welt erlösen, wenn Christus kommt. Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes wird in dieser Welt offenbar werden. Und Gott wird den Seinen auch zeitlich und irdisch alles erstatten, was ihnen ein schlimmes Unglück oder eine bittere Lebensführung geraubt haben mag.

Wie sieht das aus, wenn Christus kommt und diese Welt erlöst? Wie geht es zu im 1000 jährigen Reich – wenn das jetzt verborgene Reich Gottes sichtbar die Erde bestimmt?

Gott sagt durch Jesaja, den Propheten: „Er wird Jerusalem zur Freude machen“-

ausgerechnet diese Stadt, die jetzt ständig mit Krieg und Terror in den Schlagzeilen ist – die wird Gott zu  einem Ort des Friedens machen, zu einem Ort zu dem die Völker hinströmen werden, denn von dort aus wird Gottes Stimme ertönen. Von dort aus wird er zu den Menschen reden.( Micha 2)

Unglück und Krankheit wird es nicht mehr geben und deshalb auch nicht die Stimme des Weinens und Klagens. Es wird keine Kinder mehr geben, die nur kurze Zeit leben. Wer weiß, wie schlimm es ist, ein Kind zu verlieren, der hat gespürt, daß mit unserer Welt so wie sie jetzt funktioniert, etwas grundsätzlich verkehrt ist. Damit ist Schluß im sichtbaren Reich Gottes: Erst wenn er sehr alt und lebenssatt ist, erst dann wird ein Mensch sterben.

„Die Häuser, die sie bauen, werden sie auch selbst bewohnen. Die Pflanzen, die sie einpflanzen  - deren Früchte werden sie auch selber essen.“

Wie oft geschieht das heute: Mit Mühe wird etwas angebaut – und dann ist die Ernte verdorben – durch Dürre, durch Flurkatastrophen oder andere Umstände.

Und auch in unserem Land bekommt nicht jeder den gerechten Lohn für seine Arbeit. Die ganze Weltwirtschaft ist so, daß die, die die Kleider nähen oder die Bananen ernten – keinen gerechten Lohn bekommen. Sie pflanzen die Stauden, sie haben die Arbeit – aber die Früchte essen Andere in den reichen Industrieländern.

„Sie sind das Geschlecht der gesegneten des Herrn und ihre Kinder sind bei ihnen“

Trauernde fragen oft: Werden wir unsere Lieben wiedersehen? Darauf gibt es eine doppelte Antwort: 1. In der Ewigkeit wird es keinen mehr interessieren, wer mit wem einmal verwandt gewesen ist – das ist alles vergangen. Es gehört in eine alte Welt, der man nicht mehr gedenken wird.

Aber das ist das 2.: Im 1000 jährigen Reich heißt es: „Ihre Kinder sind bei ......“  So viele Familien werden zerstört. Im Gespräch mit Freunden in Berlin haben wir erfahren, daß in der Schulklasse eines ihrer Kinder, die Mehrheit der Mitschüler in einer zerbrochenen Familie aufwachsen. Durch Scheidung, Unglück und Streit werden Familien zerstört. Im Reich Gottes ist das nicht mehr so: „Ihre Kinder sind bei Ihnen.“

„Wolf und Schaf sollen miteinander weiden“ sagt Gott durch seine Propheten. Jetzt leidet die ganze Natur mit an der Sünde der Menschheit. Dann aber wird auch die ganze Schöpfung mit den Christen erlöst: Fressen und Gefressen werden, Angst und Unterdrückung wird es auch in der Natur nicht mehr geben. Wie der Tod durch den Sündenfall des Menschen in die Welt gekommen ist, so wird mit der Erlösung des Menschen auch das Böse aus der Natur weggenommen.

Unser kritischer deutscher Geist denkt vielleicht, wenn er das alles hört: „Das ist ja viel zu schön, um wahr zu sein!“ Aber denkst Du denn, daß Gott seine Erde und seine Erwählten einfach so aufgibt? Alle Dinge sind möglich bei Gott und was Er verspricht, das wird er auch tun!

Gott möchte eine tiefe Sehnsucht nach seiner Erlösung in unser Herz legen. Damit wir beten wie die ersten Christen: Maranatha! Ja,  komm, Herr Jesus! Amen

 

 

 

 

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