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Predigt zur Goldenen Konfirmation in Luckau 2000

Gnade sei mit Euch..!

Liebe Gemeinde, liebe Jubilare!

Früher enthielten die Namen, die man den Kindern gab zugleich ein Lebensmotto. Mit dem Namen wurde dem neugeborenen Menschen  ein Programm gegeben, in dem die Eltern den Wunsch ausdrückten, auf welches Ziel das Leben dieses neuen Menschen gerichtet sein sollte. So war es schon im Volk Gottes, bei den Juden, da hieß einer z.B. Asarja – übersetzt: “Hilfe ist Jahwe”, der Gott Israels. So bekam auch der Messias einen bedeutungsvollen Namen. ” Jesus heißt auf Deutsch “Retter”- Gott sprach zu Josef: “Du sollst das Kind “Jesus” nennen, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Auch in Deutschland gab es das, ein Name als Lebensprogramm, und manch einer hieß mit Vornamen “Gotthilf”, “Leberecht” oder “Friedemann”  Mir fiel bei der Vorbereitung ein solches Lebensmotto aus der Bibel ein, das ihnen allen, besonders denen, die hier vor 50 Jahren konfirmiert wurden, gilt. Dieses Lebensmotto steht im Hebräerbrief im 3. Kapitel, Vers 8 und lautet: “Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit!”

Er ist für euch da – heute genauso wie vor einem halben Jahrhundert und in Zukunft. Jesus Christus ist das Lebendmotto, das uns als Christen verbindet – Er, der auferstandene Herr der Welt, der jeden Tag unser Retter und Regierer sein will. Das ist unser Ziel, das uns in der Konfirmation mit auf den Weg gegeben ist. Darum geht es, daß Jesus unser Leben bestimmt, daß er es hell, frei und froh macht. Wir sollen uns danach ausstrecken, Ihm  näher zu kommen, Jesus Christus  immer mehr zu vertrauen, immer mehr zu gehorchen, immer mehr zu dienen. Das ist der Lebensauftrag, der uns von Gott gegeben ist: daß wir Jesus näher kommen, daß unser Leben von seiner Gnade und seinem Erbarmen geprägt wird – darum geht es! In einem englischen Lied heißt es “Get a little closer to Jesus, and things gonna be alright!” Komm näher zu Jesus und die Dinge Deines Lebens werden in Ordnung kommen.

GESTERN

Jesus Christus  gestern, heute und in Ewigkeit! Jesus Christus gestern. Eigentlich war es ja eher vorgestern, als ihr liebe Jubilare konfirmiert wurdet. Eine spannende Zeit war das damals, in die ihr bei Eurer Konfirmation da getreten seid. Euer noch junger Glaube mußte sich bewähren in einem großen Neuanfang der unserem Volk damals bevorstand. Der Weltkrieg war gerade mal fünf Jahre vorbei. Das Land lag in Schutt und Asche - als Folge deutschen Größenwahnsinns, als Folge des Versuchs, selber Gott zu spielen, selber eine neue Herrenmenschheit zu erschaffen. Nicht nur das Land war kaputt, auch viele Familien. Die meisten Väter waren gefallen, von manchen wußte man immer noch nicht was aus ihnen geworden war, ob sie vielleicht noch in einem Gefangenenlager waren oder längst gestorben.

Industrieanlagen und Eisenbahngleise wurden demontiert. Im Harz erschrak ich vor Jahren , als ich las, daß die Engländer dort ganze Wälder abgeholzt haben und das Holz nach England geschafft haben. Ein dermaßen gebeuteltes Land, das solltet Ihr wieder aufbauen, bei einem Neuanfang mithelfen. Zwei konkurrierende Konzepte gab es dafür. Und es war damals kaum zu erkennen, welches das bessere von beiden wäre, der marktwirtschaftliche oder der sozialistische Weg. Der Sozialismus war damals noch nicht so kompromittiert, wie später. Viele wollten mit ihm aus Überzeugung ein besseres Deutschland bauen und manche Intellektuelle kamen aus dem Exil bewußt in den Osten Deutschlands zurück. Die Herausforderung und Nagelprobe Eures jungen Glaubens war dabei, daß dieses neue Deutschland ganz bewußt ohne Gott, ohne Glauben, ohne Kirche gebaut werden sollte. Das wird manche Zerreißprobe bedeutet haben, wenn einer ein ehrliches Konfirmationsbekenntnis abgelegt hat und auch aus ehrlicher Überzeugung an diesem neuen Deutschland mitbauen wollte. Jesus Christus gestern – wie kam er bei Euch vor? Habt ihr heimlich zu ihm gebetet? Seid ihr vielleicht aus der Kirche ausgetreten und habt ihm den Abschied gegeben? Oder habt ihr Euch mutig zu ihm bekannt und dafür Respekt oder Benachteiligung geerntet? Ich bin sicher, ihr habt einen großen Schatz an Glaubenserfahrungen gamacht , auch wenn es Niederlagen waren. In unseren Sonntagsgottesdiensten ist es bisher nicht üblich solche Erfahrungen einander zu erzählen- schade eigentlich. Wir könnten eine Menge von Ihnen lernen. In unseren monatlichen Aufwind – Gottesdiensten ist es aufregend, wenn alte und junge Menschen ihre Glaubenserfahrungen erzählen. Und erstaunlich war für mich am letzten Donnerstag, daß sich das meine Konfirmanden am allerbesten gemerkt haben. Sie konnten diese Berichte fast wörtlich nacherzählen, was die älteren Christen mit Gott erlebt haben.

Als Sie, liebe Jubilare  1950 konfirmiert wurdet, da hat man Sie ermutigt denWeg mit Gott zu gehen – in den Gewißheit, daß sich das Gelingen eines Menschenlebens letztlich daran entscheidet, wie sein Verhältnis zu Christus beschaffen ist. Rudolf Neubauer  bekam den Konfirmationsspruch auf den Weg: “Bleibe fromm und halte Dich recht, denn einem solchen wird es zuletzt gut gehen!” Zuletzt! Dieses Wort fiel mir ins Auge. Ganz zuletzt, im Gericht Gottes kommt es darauf an, obe einer Christus, oder sich selbst oder Menschen vertraut hat. Bis dahin ist es ein weiter Lebensweg und da haben wir als Christen durchaus kein Abo darauf, daß es uns gut geht. Manche haben das vielleicht von Gott erwartet, eine Steigerung ihres zeitlichen Glücks, und sie grollen Gott heute noch, daß er ihre Erwartungen nicht erfüllt hat. Eine bekannte Geschichte möchte ich besonders denen erzählen, die noch keinen Frieden über die Führungen ihres Lebens gefunden haben. Ein Christ erzählt von einem Traum. Er sah im Rückblick seinen Lebensweg vor sich liegen als Spuren im Sand, wie man Fußtapfen hinterläßt, wenn man am Meer entlanggeht. Er wundert sich, daß manchmal zwei Spuren und manchmal nur eine Spur zu sehen sind. Und vorwurfsvoll stellt er Gott die Frage: “Herr, wo warst Du, als ich Dich am Nötigsten gebraucht habe? Warum hast Du mich alleingelassen? Da hört er Gottes Stimme, die ihm antwortet: Wo Du nur eine Spur siehst, mein Kind, da habe ich Dich getragen.

 

HEUTE

Jesus Christus gestern und heute. Er ist immer derselbe barmherzige Herr. Aber die Herausforderungen an ihn zu glauben und mit ihm zu leben, die ändern sich von Jahr zu Jahr. Deshalb fragt nicht nur Dietrich Bonhoeffer: “Wer ist Jesus Christus für uns heute?” Was bedeutet es heute; ihm zu folgen?  Wie sieht eine Glaubensgestaltung aus, die ansteckend und überzeugend für die nachfolgende Generation ist? Welches sind in unserer Zeit die Armen und Unterdrückten, zu deren Stimme Christus uns machen möchte?

Liebe Jubilare! Ihr werdet mit eurem Glauben und Euren Fähigkeiten dringend gebraucht! Ich sage das in einer Zeit, in der große Firmen unseres Landes ihre Mitarbeiter mit 55 Jahren zwangsweise in den Vorruhestand schicken. Wer vor 50 Jahren konfirmiert wurde, gehört heute zum alten Eisen. Er wird nicht mehr gebraucht. Liebe Schwestern und Brüder, das ist nicht wahr! Wir brauchen Euch. Wir brauchen Christen, die tatkräftig in der Gemeinde mitmischen. Wahrscheinlich haben das die meisten von ihnen in den vergangenen fünfzig Jahren nicht getan. Die Arbeit, die Kinder, der Hausbau standen dem im Wege. Aber jetzt ist Zeit dafür . Und Gott gibt denen Kraft, die sich seiner Sache annehmen. Erika Wenzel bekam einen Konfirmationsspruch, der heute aktueller ist, als je zuvor: “Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.” Das wird Gott  an Ihnen wahr machen. Wer ihm vertraut, kriegt neue Kraft. Und wenn Sie ihrem Gemeindepfarrer sagen, daß Sie bereit sind eine Aufgabe in der Gemeinde zu übernehmen, dann wird er Sie vielleicht einen Moment verduzt angucken, aber dann wird ihm schon was einfallen und sie werden eine Aufgabe finden, die zu ihnen paßt. Wir brauchen Christen, die ihre Zeit, ihre Gaben und ihr Geld für Gott einsetzen – egal, ob sie 35 oder 65 Jahre alt sind. Es gibt keinen Vorruhestand im Reich Gottes.

Jeder, der sich der Gemeinde entzieht, amputiert den Leib Christi. Deshalb ist es durchaus auch eine ernste Sache, wenn jemand aus der Kirche ausgetreten ist. Denn Gott selbst bekennt sich zu seiner Gemeinde. Er nennt sie den Leib Christi. Wer den verläßt, der hat sich auch von der Gemeinschaft Gottes losgesagt und die Lasten der Gemeinde anderen überlassen. Aber Gott wartet darauf, daß Sie zurückkommen. Er steht mit ausgebreiteten Armen da, wie es Jesus im Gleichnis vom weggelaufenen Sohn schildert. Gott wartet auf Sie und möchte gerne mit Ihnen ins Reine kommen. Und Seelsorger wollen ihnen dabei helfen. Einige solche freudigen Erlebnisse, daß Menschen zurückgekehrt sind nach vielen Jahren, einige solche Erlebnisse haben wir schon gehabt. Jetzt  50 Jahre nach der Konfirmation ist es Zeit, den Bund von damals zu erneuern. Und sollte unsere Untreue Gottes Treue aufheben? Niemals! Wenn wir untreu gewesen sind, ist er doch treu. Er wartet, daß wir in seine Arme zurückkehren.

EWIGKEIT

Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit. “Wenn Jesus nicht vom Tod auferstanden ist, wenn es kein ewiges Leben gibt, dann laßt uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot,” heißt es in 1.Kor 15.Was ist das für ein erbärmliches Dasein, wenn man ohne Hoffnung alt werden muß. Deshalb dieser Jugendlichkeitswahn in unserer Gesellschaft, weil sie die Ewigkeit verloren hat. Auf die Ewigkeit kommt es an! Wenn ich Heilsgewißheit habe; wenn ich weiß, daß mein Erlöser lebt und daß ich mit ihm in Herrlichkeit leben werde, kann ich es auch ertragen, daß manche Träume nicht wahr geworden sind.

Christsein bringt nicht nur Glück, sondern auch Ärger und Verfolgung. Das haben manche erlebt und es ist noch brandaktuell: in Indonesien werden Linienbusse von moslemischen Kämpfern angehalten. Sie steigen mit dem Maschinenpistole in den Bus ein und wer Christ ist, soll die Hand heben. Und wer dann die Hand hebt, muß aussteigen und wird erschossen. Das geschieht jetzt während wir hier sitzen. Christsein ist alles andere als eine bequeme Angelegenheit.Warum lohnt es sich trotzdem, bei Jesus zu bleiben?

Als Jesus seine Kreuzigung ankündigte, haben ihn viel Anhänger verlassen. Wollt ihr auch gehen, fragt er seine Jünger? Und Petrus antwortet ihm mit den Worten, die Dieter Großmann als Konfirmationsspruch bekam:”Herr, wohin sollten wir gehen? Du alleine hast Worte des ewigen Lebens!” Christus allein schenkt ewiges Leben. Wer ihn hat, hat das Leben. Und da wird Gott allen Mangel ersetzen und alle Not wenden, die seine Kinder hier durchgemacht haben. Aber wer glaubt das? Wer setzt sich und was er hat ein - für das Reich Gottes? Und wer bleibt lieber beim Fressen und Saufen? Jesus Christus in Ewigkeit. Ich möchte nicht ohne Jesus alt werden. Ich möchte nicht ohne Hoffnung sterben. Und deshalb lese ich Ihnen noch das Gedicht eines der ganz großen Dichter der Berlin-Brandenburgischen Kirche vor (Jochen Klepper):

Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann.
Von seinem Angesichte trennt uns der Sünde Bann.
Unsterblich und gewaltig ist unser Gott allein,
wird König tausendfältig, Herr aller Herren sei.

 

Und doch bleibt er nicht ferne, ist jedem von uns nah.
Ob er gleich Mond und Sterne und Sonnen werden sah,
mag er dich doch nicht missen in der Geschöpfe Schar,
will stündlich von Dir wissen und zählt dir Tag und Jahr.

 

Auch Deines Haupter Haare sind wohl von ihm gezählt.
Er bleibt der Wunderbare, dem kein Geringes fehlt.
Den keine Meere fassen und keiner Berge Grat,
hat selbst sein Reich verlassen, ist dir als Mensch genaht.

 

Nun darfst du in ihm leben und bist nie mehr allein,
darfst in ihm atmen, weben und immmer bei ihm sein.
Den keiner je gesehen, noch künftig sehen kann,
will dir zur Seite gehen und führt dich himmelan.  Amen

 

 

 

 

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